logicalgolf
12.12.09

Der Weg eines jungen Profispielers - Interview mit Profitrainer Arne Dickel

Arne Dickel & Max Kramer

Arne Dickel & Fabian Becker

Frage: Arne, Du hast im Herbst den jungen Nachwuchsspieler Fabian Becker auf die Qualifying School für die European Tour nächstes Jahr vorbereitet. Was sind die Schwerpunkte eines solchen Trainings für angehende Profis?

Arne Dickel: Das Wichtigste ist natürlich, dass man den Jungprofi auf die bevorstehenden Ausnahmesituationen, sowohl im physischen Bereich, als auch im mentalen Bereich vorbereitet. Im Techniktraining beschränkt man sich zu diesem Zeitpunkt auf Dinge, die der Spieler gut umsetzen kann und die in der Vergangenheit schon erfolgreich umgesetzt wurden.

Man versucht den Spieler viel mit seiner Routine arbeiten zu lassen und konzentriert sich auf das kurze Spiel. Denn das entscheidet am Ende zumeist über eine erfolgreiche, oder weniger erfolgreiche Qualifikation.

 

Frage: Die Qualifying School ist ein hartes Auswahlverfahren über zwei Turniere + Finale. Insgesamt stehen 20 Tourkarten zur Verfügung. Welche Chancen haben junge Nachwuchsspieler bei der QS einen der heiß begehrten Plätze für 2010 zu bekommen?

Arne Dickel: Das kommt natürlich immer auf die Form und auf den Leistungsstand des Profis an, denn anmelden dürfen sich jeder Golfprofessional und Amateure mit sehr gutem HCP. Unsere Spieler haben allerdings hohe Ansprüche und trainieren daher hart und intensiv, denn die QS ist die einzige Chance eine vielleicht nicht so gute Saison auf der EPD Tour, oder auf der Challenge Tour mit einer Topleistung in diesen drei Wochen vergessen zu machen. Es ist sozusagen möglich von einem Unbekannten innerhalb kürzester Zeit in die höchste europäische Liga im Profigolf aufzusteigen.

Aber diese Gedanken machen sich natürlich viele und dementsprechend wird es eben auch nicht leichter, zumal von Stage I bis zur Final Stage die Teilnehmerfelder immer besser werden, da in Stage II die Challenge Tour Spieler mit recht guten Leistungen, die Top 5 der 3rd Level Touren und die European Tour Spieler ab Platz 150 hinzukommen. In der Final Stage spielen dann auch noch die Spieler der European Tour von Platz 120 bis 150 und die qualifizierten Spieler aus Stage I und II, die in guter Form sind, da sie sich sonst nicht qualifiziert hätten.

Da wird es dann eben immer schwerer und auch in diesem Jahr passieren wieder Krimis auf den letzten Bahnen, wer die begehrte Karte nun bekommt und wer wieder auf den kleineren Touren sein Geld verdienen muss.

 

Frage: Der mentale Druck und die Konkurrenz ist natürlich sehr groß bei einem solchen Turnier. Der Trainer übernimmt sicherlich auch eine Vertrauensposition beim Spieler über die Vorbereitung hinaus. Welche Rolle spielt dabei das Zusammenspiel zwischen mentalen und technischen Training?

Arne Dickel: Wie schon angesprochen ist die mentale Verfassung der Spieler neben der technischen Variablen mit Sicherheit einer der entscheidenden Faktoren zum Erfolg. Da die physische Verfassung eben unmittelbar mit der mentalen Verfassung einhergeht, können wir den Fitnessbereich getrost auch mit aufzählen, denn wer schneller regeneriert, ist eben auch schneller wieder mental belastbar.

Desto näher die Turniere rücken, desto wichtiger wird auch der Trainer, da man unter Druck gerne eine starke Persönlichkeit an der Seite weiß. Da ich mich mit allen Profis die mit LG in Deutschland arbeiten gut verstehe, da wir uns teilweise eben noch aus meiner aktiven Zeit kennen, ist es sicherlich etwas einfacher die Sportler nochmals zu motivieren oder zu beruhigen, da man die Spieler schon länger kennt und weiß was sie für bestmögliche Leistung brauchen.

Das Training wird auf die bevorstehenden Situationen abgestimmt, damit die Spieler eben gut vorbereitet sind. Wie schon erwähnt wird das Training je näher das Turnier rückt, immer weniger technisch und immer mehr spielbezogen. Wir lassen die Profis dann viel kurzes Spiel auch gegeneinander spielen, damit sich jeder einschätzen kann und eventuelle Schwächen noch ausmerzen kann. Das funktioniert recht gut. Mit Fabian habe ich dann noch eine spezielle Vorbereitung mit der Turnierplanung gemacht, damit er eben ideal vorbereitet ist.

 

Frage: Ein Training von einem Tourspieler und einem Amateur – gibt es da einen Unterschied im Trainingsverlauf?

Arne Dickel: Ja, bestimmt. Man unterscheidet bei dem Training von Profis und Amateuren schon deutlich, wenn auch nicht in der Sache als solche. Zum Beispiel wird ein Profi mit einer geöffneten Schlagfläche im höchsten Punkt der Ausholbewegung vielleicht trotzdem einen sehr guten Ballflug produzieren und hat auch einen Grund für diese geöffnete Schlagfläche. Er fürchtet Schläge nach links. Da man mit Fehlschlägen zu nur einer Seite der Spielbahnen immer noch sehr erfolgreiches Golf spielen kann, wird man bei dem Profi sicher an die ursprünglichen Fehler gehen und weniger an die Auswirkungen, denn die geöffnete Schlagfläche ist sicher der Grund für vielleicht andere Fehler im Schwung.

Bei Amateuren geht man häufiger an die Verbesserung der unmittelbar sichtbaren Fehler, da die meisten Schüler nicht die Geduld haben und nicht die Trainingsintensität aufbringen können, um die wirklichen Ursachen zu bekämpfen. Aber grundsätzlich möchte  man als Lehrer auch    jedem Schüler der einem das Vertrauen schenkt  bestmöglich weiterhelfen.

 

Frage: Warum denkst Du, dass die Methode logicalgolf die optimale Trainingsvorbereitung für Profis ist?

Arne Dickel: Das Umfeld bei logicalgolf ist unvergleichbar in Deutschland. Hier trainieren European Tour Spieler, Challenge Tour, EPD Tour und Ladies Tour Spielerinnen und Spieler ständig. Egal ob ich als Profi Fragen im technischen, mentalen oder Fitnessbereich habe, wir haben ein fundiertes Wissen, da wir fast alle selber mit Spielen unser Geld verdient haben und holen bei Profis zumeist noch andere Spezialisten für den jeweiligen Bereich hinzu. 

Zu dem kommt noch, dass wir mit dem Golfclub Schloss Egmating einen Partner an unserer Seite haben, der den Spielern Trainingsbälle und Infrastruktur gerne zur Verfügung stellt. Die Stimmung unter den Kollegen ist sicherlich auch noch ein Faktor der sich auf die Gesamtsituation positiv auswirkt, den eben auch die Spieler zu schätzen wissen.

 

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